IMG_0300

Johanniter starten Pilotprojekt zur Flüchtlingsbetreuung in Main-Kinzig-Kommunen

Nach guten Erfahrungen als Dienstleister vor Ort für den Betreiber RP Gießen der Erstaufnahmeeinrichtung Hanau wird Hilfsorganisation auch vor Ort in einigen Städten und Gemeinden Teile der Flüchtlingsarbeit übernehmen – SPD-Landratskandidat Thorsten Stolz besucht Geschäftsstelle in der Brüder-Grimm-Stadt

Weil die ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuung besonders in kleineren Kommunen an ihre Grenzen stößt, engagiert sich die Johanniter-Unfall-Hilfe Hanau/Main-Kinzig künftig auch vor Ort in einigen Gemeinden des Landkreises in der Integrationsarbeit, nachdem die Rettungsorganisation als Dienstleister vor Ort der Erstaufnahmeeinrichtung in Hanau-Wolfgang durchweg positive Erfahrungen gesammelt hat. „Ein erstes Pilotprojekt mit einer Kommune im Main-Kinzig-Kreis startet in wenigen Wochen“, kündigte Regionalvorstand Sven Holzschuh dieser Tage im Gespräch mit Thorsten Stolz an. Anlass: Der SPD-Landratskandidat besuchte die Geschäftsstelle der heimischen Johanniter in Hanau und informierte sich über den Regionalverband mit seinen rund 140 hauptamtlichen sowie 100 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Die Johanniter-Unfallhilfe Hanau/Main-Kinzig zeichnet für den Rettungsdienst in Nidderau und Hammersbach verantwortlich, wo sie jeweils eine Rettungswache unterhält. Hintergrund: Die Sicherstellung des öffentlichen Rettungsdienstes obliegt den kreisfreien Städten und Landkreisen. Sie beauftragen Dritte, die diese wichtige
Aufgabe wahrnehmen. Außerdem betreuen die heimischen Johanniter im gesamten Kreis rund 500 Hausnotruf-Anschlüsse, bilden Ersthelfer in Beruf und Freizeit aus, unterhalten einen Fahrdienst für Menschen mit Behinderung, bieten Essen auf Rädern an und leisten Sanitätsdienste bei Großveranstaltungen.

„Zu einem bedeutenden Bereich hat sich die Flüchtlingsarbeit entwickelt, seitdem wir im Oktober 2015 die Betreung der Erstaufnahmeeinrichtung in Hanau übernommen haben“, berichtete Sven Holzschuh von der größten Herausforderung des Verbandes in seiner 60-jährigen Geschichte. Als eine von 19 hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen können die Johanniter in Hanau in einer ehemaligen US-Liegenschaft bis zu 1.700 Flüchtlinge unterbringen und versorgen. Derzeit sind es rund 300 Menschen, die die Organisation medizinisch, sozial und organisatorisch betreut. „Wir leisten dort vielfältige Integrationsarbeit, bieten beispielsweise Deutschkurse und Kreativangebote wie Schneider- und Malkurse an“, umriss Sven Holzschuh das umfangreiche Angebot in der Erstaufnahme, zu dem auch eine Kleiderkammer, Sport- und Musikprojekte sowie pädagogische Jugendarbeit zählen. Stolz sind die Johanniter auf ihr tägliches Schulprogramm, bei dem der Deutschunterricht an erster Stelle steht. „Integration funktioniert nur mit Sprache“, betonte Sven Holzschuh. Auf dem Stundenplan stehen aber auch Mathematik und IT. Weil die Flüchtlinge bis zu sechs Monate in der Erstaufnahmeeinrichtung verbringen, trägt das schulische Angebot auch zu einer sinnvollen Tagesstruktur bei und stärkt den Zusammenhalt, ist der Regionalvorstand überzeugt: „Bei uns in der Einrichtung gab es bislang noch keinen einzigen negativen Vorfall“. Weil sich diese gute Arbeit herumgesprochen hat, kam nun eine Kommune auf die Johanniter zu und fragte an, ob die Hilfsorganisation dort Teile der örtlichen Flüchtlingshilfe übernehme könne.

Thorsten Stolz zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Johanniter-Unfall-Hilfe. „Die Integration der rund 8.000 Flüchtlinge, die in den vergangenen zwei Jahren den Main-Kinzig-Kreis erreicht haben, wird uns noch mindestens fünf Jahre intensiv begleiten“, erinnerte er daran, dass viele Flüchtlinge erst einmal Deutsch lernen und schulische Weiterbildungen durchlaufen müssten, bevor sie eine Ausbildung antreten könnten, um dann erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Dieser Herausforderung müssten sich Politik, Gesellschaft und alle in der Flüchtlingshilfe engagierten Verbände und Organisationen gleichermaßen stellen: „Denn wenn uns die Integration nicht gelingt, drohen uns Parallelgesellschaften. Und die dürfen wir auf keinen Fall zulassen“. Deshalb begrüßte es der Landratskandidat ausdrücklich, dass die Johanniter nach ihren guten Erfahrungen in Hanau nun auch mit ihren sozialen Diensten in der Flüchtlingshilfe vor Ort in den Kommunen aktiv werden, die um Unterstützung nachsuchten, um vor Ort auch die ehrenamtlich Engagierten zu entlasten. Im Fall seiner Wahl zum Landrat, so Thorsten Stolz abschließend, werde der Main-Kinzig-Kreis dieses Engagement in der Flüchtlingshilfe weiterhin mit allen Kräften unterstützen: „Die Integration bleibt für uns alle eine der größten Aufgaben“.