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Kinderinitiative Bad Orb wirbt bei Thorsten Stolz um Unterstützung für Familienzentrum

Geschäftsführer Gerald Flinner bei Besuch von SPD-Landratskandidat Thorsten Stolz: Stoßen aufgrund geringer Mittel an die Grenzen unseres Engagements

Seit seiner Gründung vor fünf Jahren ist das Familienzentrum in der Kinderinitiative Bad Orb zu einem lebendigen Ort des Austauschs, der Beratung und der Begegnung geworden. Allerdings stoße man aufgrund geringer Mittel an die Grenzen des Engagements. Das berichtete Geschäftsführer Gerald Flinner beim Besuch von Thorsten Stolz in der ehemaligen Güterabfertigung des kurstädtischen Bahnhofs, dem aktuellen Domizil des Vereins. Der SPD-Landratskandidat informierte sich in Begleitung von Bürgermeister Roland Weiß über die Kinderinitiative, die als gemeinnütziger Verein und freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe fest in Bad Orb verankert ist.

„In 2016 haben wir mit 117 Kindern und Jugendlichen aus Bad Orb gearbeitet“, berichtete Gerald Flinner, der an die Wurzeln der Kinderinitiative in der 68er-Bewegung und ihre Gründung im Jahr 1973 erinnerte. „Ursprungsgedanke damals war, die Chancen sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher zu verbessern, soziales Handeln einzuüben und Solidarität untereinander zu fördern“, erläutere er. Eine Hausaufgabenhilfe und ein Spielplatz zählten zu den ersten pädagogischen Mitteln, um Lernen und Spielen miteinander zu verknüpfen. „Jedes Kind, das Hilfe braucht, soll auch Hilfe erhalten“, lautet seitdem die bis heute gültige Devise des Vereins, dessen Angebote für Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren allesamt kostenlos sind.

Hausaufgabenbetreuung, Kreatives Gestalten im Holzwerkraum oder der Tonwerkstatt, gemeinsames Kochen, Lesestunden und ein spezieller Mädchentreff gehören zu den Angeboten der Kinderinitiative. Vier Fachkräfte und vier Honorarkräfte zeichnen unter der Leitung von Gerald Flinner für das pädagogische Angebot verantwortlich. „Der Bedarf ist ungebrochen hoch“, berichtete der Geschäftsführer und nannte als einen Grund den mit 20 Prozent überdurchschnittlich hohen Anteil alleinerziehender Elternteile in Bad Orb. Zudem stammten viele Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, die in der Kurstadt eine neue Heimat gefunden haben. Gerald Flinner betonte: „Gerade junge Menschen in sozial schwierigen Lagen brauchen Hilfe. Ihnen einen Ort zu geben, die Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu fördern, sie auf ihrem schulischen und beruflichen Weg zu begleiten und das Selbstbewusstsein der jungen Menschen zu stärken gehört zu unseren ersten Zielen“.

Vor fünf Jahren gründete die Kinderinitiative das Familienzentrum Bad Orb, das die gesamte Familie in den Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit gerückt hat und Angebote wie beispielsweise „Yoga ab 50“, PC-Kurse für Senioren, Deutsch-Sprachkurse für Flüchtlinge, ein regelmäßiges Familiencafé und eine Familiensprechstunde anbietet. „Aufgrund unserer Vernetzung zu zahlreichen Akteuren in der Region können wir Betroffene dann auch an die Schuldnerberatung, die Suchtberatung oder andere Hilfseinrichtungen weiter vermitteln“, umriss Gerald Flinner das breite Hilfsangebot für alle Generationen. Von großer Bedeutung sei zudem die direkte Kooperation mit Vereinen und anderen Organisationen direkt vor Ort.

Bei Thorsten Stolz warb der Geschäftsführer darum, solche Familienzentren angesichts der sich wandelnden gesellschaftlichen Strukturen auch an anderen Standorten im Main-Kinzig-Kreis zu initiieren. „Ich bin überzeugt davon, dass es künftig noch viel mehr Einrichtungen wie Mehrgenerationenhäuser und Familienzentren geben wird, die Angebote für alle, also vom Kind bis zur Seniorin, bündeln und vernetzen“. Hierfür müsse man auch in Bad Orb mehr Mittel bereitstellen, wo man über eine räumliche Konzentration von Angeboten des Familienzentrums, eines Mehrgenerationenhauses und eines Jugendzentrums nachdenke. Angesichts des gesellschaftlichen Wandels sei das nicht mehr nur Aufgabe der Kommunen, sondern auch der Landkreise, sagte Gerald Flinner und betonte: „Ich wünsche mir vom Main-Kinzig-Kreis, dass er Angebote wie Familienzentren neu beurteilt und künftig auch mitfinanziert“.

Der Landratskandidat zeigte sich offen für Co-Finanzierungen und Investitionszuschüsse seitens des Kreises: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sich der Main-Kinzig-Kreis an Projekten beteiligt, die auch vom Land Hessen gefördert werden. So können wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen“. Beispielhaft nannte er die Integration der rund 8.000 Flüchtlinge, die derzeit zwischen Maintal und dem Altkreis Schlüchtern leben. „Sie bis in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren wird eine riesige Herausforderungen. Da braucht es Initiativen wie das Familienzentrum in Bad Orb und insgesamt ein Mehr an Sozialarbeit“, sagte Thorsten Stolz abschließend.